Wir sind alle ein bisschen verrückt

Okay.

Ich weiß, dass das hier nichts mit Sex zu tun hat, aber ich hab mehr und mehr das Gefühl dass manche von euch genau DAS hören müssen was ich euch jetzt sage.

Wir sind alle ein kleines bisschen kaputt. Und das ist okay.

Wer sich nicht nur durch meine Fotos klickt sondern auch ma die Texte drunter gelesen hat, der hat vielleicht bemerkt dass mir in letzter Zeit alles Mögliche an Gedanken durch den Kopf schwirrt.
Ein riesiger Haufen Scheiß, komplett durcheinander und unsortiert.
Und ich stand davor und dachte mir ‚Ok Fuck und nu? Wie soll DAS hier alles anfangen Sinn zu machen?‘.
Erst mal so kein bisschen.
Der Lärm meiner eigenen Gedanken war so laut, dass ich am Ende komplett den Überblick darüber verloren hab, was jetzt wirklich richtig und wichtig ist und was ungefilterter, nicht hinterfragter Blödsinn.
Man redet sich den ganzen Tag so viel Zeug ein und man denkt über das Gedachte irgendwann gar nicht mehr nach.

Aber was is da los in unseren Köpfen?

Ich hab das kürzlich als ‚Wer bin ich‘- oder Identitätskrise bezeichnet und scheinbar haben sich sehr viele von euch dadurch angesprochen gefühlt.

Wie oft ist man zu sich selbst richtig fies, redet sich irgendwas ein das einen runterzieht, macht sich selbst fertig weil man ma was verkackt hat oder redet sich selbst schlecht….einfach so?
Generell scheint es uns viel besser zu gefallen, die Schuld für alles erst mal uns selbst zu geben, ob das jetzt gerechtfertigt ist oder nicht.
Und wieso?

Weil jedem von uns schon blöde Scheiße passiert ist.
Weil uns Menschen weh getan haben.
Weil wir Fehler gemacht haben, weil wir alle menschlich sind.
Weil uns unrecht getan wurde.
Und wir mussten damit leben. Und jeden Tag haben wir gedacht, dass das eben das Leben ist.
Dadurch haben wir Ängste entwickelt. Die Angst zu Verlieren, Angst nicht gut genug zu sein, Angst missverstanden zu werden, ausgegrenzt zu werden, nicht gewollt zu werden.

Und dann haben wir irgendwann aufgehört diese Ängste zu hinterfragen und sie einfach so hingenommen.

Ich kann jetzt natürlich nicht für die Allgemeinheit sprechen, ich weiß nicht was EURE Ängste sind. Aber was ich tun will ist euch von meinen zu erzählen, damit sich die/der Ein oder Andere von euch vielleicht nicht so alleine fühlt.
Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, das is mir dann doch noch zu persönlich 😃 aber es ist wichtig, dass ihr wisst, dass jeder seine Dämonen hat mit denen er leben (lernen) muss.

An der Stelle muss ich erst mal nen Sprung in die Vergangenheit machen.
Ich war 21 als ich so ne Krise das erste Mal hatte.
21 is jung, ich war viel feiern und hab im Moment gelebt so wie die meisten 21-jährigen.
Aber an einem Abend hab ich mitten im Club angefangen zu heulen, einfach so. Weil ich plötzlich gar nich mehr wusste wer ich überhaupt bin und wann ich ich bin und wann ich etwas nur tue/sage weil ich denke jemand anderes akzeptiert mich dann. Am Ende hab ich so viele Rollen gespielt, dass keine davon sich mehr richtig angefühlt hat. Und das wollte dann eben mitten im Club raus (sehr geil haha)

Fast forward – paar Monate vorbei, mehr Ruhe. Ich hab angefangen mir Fragen zu stellen – wieso ist es mir so wichtig was andere Leute denken? Was mag ICH wirklich? Was akzeptiere/mach ich obwohl ich es nich leiden kann, was kann ich tun um mich nicht mehr so zu sehen jetzt… sowas.
Und dann hab ich angefangen nach Antworten zu suchen.

In dieser Zeit hatte ich kein Selbstbewusstsein. Und 20 Kilo mehr. Und ich hab mich auch nicht gemocht, meinen Körper sowieso nicht. Wenn ich mich angeschaut hab, konnte ich nichts sehen mit dem ich zufrieden war. In meinen Augen war ich voller Fehler.
Und es ist nicht so, dass meine Außenwelt es mir so viel leichter gemacht hätte (weil viele Menschen Arschlöcher sind und das ist einfach so).
Ich weiß noch, dass ich einen Abend nach dem Club alleine irgendwo auf Freunde gewartet hab und einfach jemand herkam und angefangen hat mich fertig zu machen. Wie scheiße ich aussehe, wie fett ich sei und dass ich keine Freunde hätte.
Im Endeffekt hat genau der Typ mich Jahre später angeschrieben und nen Korb kassiert (FICK DICH!), aber damals hab ich mich gefühlt wie nichts. Und alle möglichen Leute standen da und haben einfach ihr Maul nicht aufgemacht oder gelacht.
Und da wars dann zu viel. Ich wollte nur noch aus dieser Stadt raus und weg. So weit wie es eben geht.

Also hab ich mit 22 meinen Job und meine Wohnung gekündigt, alle meine Sachen verkauft, mir Chloe (meine Miez) geschnappt und mich in den Flieger nach Amerika gesetzt.
Ich wollte einfach wegrennen.
Natürlich kann man aber nicht vor sich selbst wegrennen und mein nicht vorhandenes Selbstbewusstsein hab ich genauso eingepackt.

In Amerika hab ich Familie, aber die Mentalität der Amis ist einfach anders. Ich war viel alleine, hab viel Zeit mit meinen eigenen Gedanken verbracht und angefangen viel aufzuarbeiten.
Dabei ist mir auch schnell aufgefallen, dass ich ein ausgereiftes Beispiel für den sogenannten ‚Vaterkomplex‘ war/bin.
Darauf will ich nicht so sehr eingehen, nur kurz anschneiden.
Mein Verhältnis zu meinem Vater war damals nur kompliziert und es lief immer gleich ab.

Ankommen, ne Beziehung aufbauen, sich ein paar Wochen Mühe geben und mich dann wegen irgendeinem Scheiß ankacken und mir das Gefühl geben nichts wert zu sein (oder mir das zu sagen). Wieder und Wieder und wieder….

Naja und das Gefühl hab ich mitgenommen. In mein Leben.
Ich wollte nicht dass Leute gehen, ich wollte mich nicht fühlen als wäre ich nicht gut genug, ich wollte immer wieder beweisen dass ich ein guter Mensch bin.
Als ich das erkannt habe, ist erst mal ein riesiger Knoten geplatzt.
Dann hatte ich plötzlich Verständnis für mich selbst, für meine Unsicherheiten.

Und ich hab mir selbst gesagt, dass es nicht meine Schuld is dass er eben is wie er is.

Trotzdem hab ich mich nach 6 Monaten in Tennessee von meiner Fam dort breittreten lassen, nach Vegas zu meinem Vater zu ziehen. Ich wusste das is ne scheiß Idee und dass es nicht funktionieren wird, aber ich wollte guten Willen zeigen, hatte Hoffnung (Is doch dein Dad…).
Bin hin – long story short: hat 3 Monate funktioniert, dann hat er mich rausgeschmissen und ich stand ohne alles da. 22/23 alleine in Vegas, keine Kohle und 9 Stunden Zeitverschiebung also keine Chance Mama zu erreichen. Wohin!?

Ich hatte Glück, dass ich genau zu der Zeit eine meiner besten Freundinnen kennengelernt habe und sie mir (so dramatisch das von mir aus klingt) das Leben gerettet und mir nen Platz zum Schlafen gegeben hat.
Mein Vater wollte übrigens nur wissen wann er seinen Schlüssel bekommt (kein ‚lebst du noch?‘, ‚wurdest du schon umgebracht oder vergewaltigt?‘… nix).

Und von meiner restlichen Familie dort, gerade von meinem Opa der bis dahin immer so die Vaterrolle übernommen hatte, kam auch nichts an Unterstützung. Nur sowas wie „Sich jetzt zu prostituieren is auch keine Lösung“ (als hätte ich das jemals in Betracht gezogen) und fiese Facebook Kommentare von meinen (damals 11-jährigen) Cousins.

Ihr könnt euch vielleicht vorstellen wie sich das angefühlt hat.
Allein. So weit weg von allem was ich mein Leben lang halt nun ma kannte.
Alles was ich hatte war ich und genau da hab ich gelernt mir selbst zu vertrauen.
Ich habs auch geschafft meinen Arsch aus Vegas wieder rauszubekommen, sonst würdet ihr das hier nicht lesen.

Aber das alles hat Spuren hinterlassen. Ich wollte erst gar nicht mehr reden als ich zurück war, hab nicht mal mehr meiner Mama vertraut oder meinen Freunden.
So hängengelassen zu werden von Menschen, die so wichtig waren, die so eine wichtige Rolle im Leben spielen – das hat einfach verdammt heftig weh getan.
Und wenn die das können, dann können andere das auch. Ich wollte das nicht. Nie wieder.

Aber ich war endlich wieder zuhause. Ich war so glücklich deswegen, meine Mama und meinen (Stief-)Dad nach einem Jahr endlich wieder zu sehen hat einfach nur gut getan.
Der Alltag hat mich schnell wieder eingeholt und ich hab mich ‚heilen‘ lassen, durchs Aufarbeiten erkannt wozu ich fähig bin und was ich für mich getan hab, hab 20 Kilo abgenommen und die ganzen Sachen mehr oder weniger verdrängt.

Ich bin ein Mensch der gerne und regelmäßig reflektiert aber dieses Amerika Jahr hab ich einfach abgehakt, wollte nix mehr mit zu tun haben. Aber sowas zieht sich wie n roter Faden durch dein Leben.

Bis eben die nächste Krise ansteht, auch wenn das vielleicht 7 Jahre dauert.

Auslöser für meine (mittlerweile nicht mehr ganz so schlimme) monatelange Kackphase war (und darüber hab ich geschrieben) erst mal einfach Liebeskummer.
Und ich weiß, dass Liebeskummer für manche Leute kein richtiger ‚Kummer‘ ist, aber es ist im Endeffekt egal was es ist, wenn es weh tut und dich verrückt macht, dir dein Lachen nimmt und die Motivation, dann ist es echter Kummer.

Ich bin mit Liebeskummer nach Amerika immer gleich umgegangen – gar nicht.

Sobald ich gemerkt hab das irgendwas nirgendwo hinführt hab ich einfach drauf geschissen und fertig.
Dass es mich dieses Mal so hingelegt hat war… einfach seltsam.
Und ich war vollkommen blind dafür dass es vielleicht gar nicht an dem Kerl selbst liegt, sondern an was ganz anderem.

Das musste mir aber erst meine beste Freundin eröffnen, als sie mit ‚Sag ma, das bist doch nicht du? Du heulst nicht so lange einem Typen nach – egal wie toll er gewesen sein mag. Ich glaub das Problem liegt woanders und er is nur ein Ventil.‘ ankam. 

Und ab da hatte ich erst mal wochenlang Alpträume weil mein Unterbewusstsein angefangen hat alles Mögliche auszukotzen dass irgendwie mit meinem Vater zusammenhing und hab zum Beispiel geträumt dass mir alle meine Zähne ausfallen (bedeutet man hat Verlustängste, hab ich gegoogelt, wie passend).

Ja und seitdem denke ich viel nach. Versuche meine eigenen Gedankengänge und Verhaltensweisen zu verstehen.
Nicht weil ich mich auf Teufel komm raus ändern will, aber ich will meinen Frieden mit mir.
Ich will mich nicht mehr selbst in der Luft zerreißen und mir einreden ich sei nicht gut genug, ich will mich nicht verstellen und ich will mich nicht verstecken. Und ich wünsche euch dass ihr das auch nicht wollt.
Ich will ich sein. Cool mit mir sein, so wie ich es schon mal gelernt hab.

Und ich weiß auch ich hab Leuten unrecht getan, Menschen verletzt und vor den Kopf gestoßen. Wahrscheinlich gerade aus genau diesem Grund.
Ich bin manchmal impulsiv, vor allem dann wenn ich mich angegriffen fühle, weil ich nicht will dass mir jemand weh tut, weil ich mich selbst beschützen will.
Aber deswegen mach ich mich nicht mehr fertig. 

Wisst ihr, jeder geht nun mal seinen eigenen Weg, alleine für sich, manchmal treffen wir uns, gehen ein Stück zusammen, trennen uns vielleicht wieder oder bleiben für immer zusammen… die Wahrheit ist – du kannst andere Menschen nun mal nicht beeinflussen. Wer weiß schon warum sie so sind wie sie sind, vielleicht wissen sie es selbst nicht, vielleicht haben sie auch Angst das herauszufinden.
Der einzige Mensch, den wir wirklich beeinflussen können, sind wir selbst und genau darum kümmere ich mich endlich wieder richtig.

Ich geb mir endlich Zeit zu fühlen, zu atmen, die Gedanken einfach kommen und gehen zu lassen. Ich will die richtige Energie um mich.
Also JA, auch ich hab Ängste und ne Menge kleiner Macken versteckt in meinem System, aber das ist okay.
Und lieber erkenne ich das und gestehe es mir ein, lerne damit zu leben, das zu akzeptieren und das zu feiern, zu lieben als weiterhin einfach alles hinzunehmen.

Wieso bin ich so ehrlich was das angeht? Zugegebenermaßen ist das sehr persönlich, ja.
Weil ich mich nicht verstecken will oder vorgeben will was zu sein, das ich nich bin.
Weil ich solche Worte gebraucht hätte als es mir damals mit 21 scheiße ging.
Weil ich will, dass ihr versteht, dass mit euch alles okay ist. Dass ihr keine hoffnungslosen Baustellen seid.
Und weil ich weiß wie tricky social media sein kann – man sieht die vielen Bilder und denkt sich niemand außer man selbst scheint Probleme zu haben.

Ich kann das verstehen, viele denken auch von mir, dass mir mein Selbstbewusstsein und mein Körper einfach in den Schoß gefallen wären, ich schon immer so stark war.
Aber das stimmt nicht.
Es hat Jahre gedauert, zu mir zu finden und mittlerweile ist mir klar, dass das ein Prozess ist, der mein ganzes Leben andauern wird.

Es geht uns allen so. Manche sind nur besser darin, solchen Gedanken aus dem Weg zu gehen, das muss jeder für sich entscheiden. Aber wenn du bis hierher gelesen hast, dann hat das sicher einen Grund.
Also – nicht aufgeben ihr Häschen.

(und ja bald schreibe ich wieder über Sex und das Gewinnspiel kommt auch)

 

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